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wahlkabine.at im Unterricht

Politische Bildung in der Schulpraxis

Über die Wichtigkeit, Jugendlichen schon in der Schule Politik näher zu bringen, sind sich alle Gesprächspartnerinnen und -partner der aktuellen Interviewreihe einig - Edwin Scheiber, Direktor des GRG 4 und der Sir-Karl-Popper Schule, Ilse Rollett, Direktorin des Gymnasiums Rahlgasse und Klaus Madzak, Geschichtslehrer an eben dieser Schule. Tatsächlich werden politische Entscheidungsverfahren immer komplexer und mehr auf Persönlichkeiten zugespitzt als auf Inhalte und Positionen der Parteien. Gerade Jugendlichen haben es oft schwer, vom Wahlkampf auf die Regierungstätigkeit einer Partei nach der Wahl zu schließen. Durch die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre wird es zunehmend wichtiger, dass sich Jugendliche so früh wie möglich mit Politik auseinandersetzen.

Das hat laut Madzak auch die Politik erkannt. Mit dem Verankern der Politischen Bildung im Fach Geschichte, Sozialkunde und Politischer Bildung sei "auch von der Gesetzgeberseite ein Impuls gesetzt worden, Politische Bildung stärker zu verankern. Das sage ich aber auch dazu, leider ohne Zeitressourcen." Dass politische Bildung nicht nur über Wahlen und Wahlwerbung funktioniert, ist allen Beteiligten klar – auch zwischen den Wahlen muss politische Bildung in Angriff genommen werden. "Wenn man die Wahlabstände, vier, fünf, sechs Jahre, nimmt, da wäre es ja eigentlich verantwortungslos, in der Zeit dazwischen keine politische Bildung zu machen", erklärt Scheiber zu diesem Thema.

Sinnvolles Angebot

Hier wird in den Schulen auch wahlkabine.at genutzt – von den angebotenen Unterrichtsmaterialien bis hin zum Voting -Tool selbst, mit dem Schülerinnen und Schüler ihre Meinung mit den Standpunkten der Parteien vergleichen können. "Es ist ein Teil des Angebots der politischen Bildung im Rahmen des Geschichtsunterrichts bei uns an der Schule. Die Lehrer haben sich das Angebot angeschaut und gefunden, dass das ein wertvolles und sinnvolles Angebot ist, um die eigene politische Meinung abschätzen oder korrigieren zu können." Auch Madzak erzählt von der regelmäßigen Anwendung im Unterricht: "Genutzt wird es vor allem vor Wahlen. Wir verwenden das also im Großen und Ganzen als eine Art Wahlvorgang, um einen Wahlvorgang einmal durch zu spielen."

Die tatsächlichen politischen Forderungen auf die Waagschale zu legen, ist hier nicht nur ein Akt politischer Fairness oder eine Beschäftigungstherapie – sondern eine der Grundaufgaben von Bildung. In der Schule demokratische Prozesse und eine "kritische Verarbeitung von Informationen" (Rollett) zu etablieren, sollte einen fixen Bestandteil im Schulsystem einnehmen, denn "letzten Endes", so Scheiber, "bedeutet Allgemeinbildung, aus Schülern mündige Bürger zu machen“. Rollett drückt es etwas anders aus: "Schule ist auch ein Lernfeld für viele demokratische Prozesse und Strukturen."

Problem der etablierten Parteien

Ganz offensichtlich haben die etablierten Parteien ein Problem damit, ihre Positionen Jugendlichen näher zu bringen – was nicht wirklich zu steigendem Vertrauen in die Politik führt. Scheiber ist überzeugt, "dass es eine Politikverdrossenheit unter den Jugendlichen gibt. Speziell was die Sicht auf politische Parteien betrifft." Auch Rollett beobachtet, "dass die Sprache eine floskelhafte, oft nichtssagende geworden ist – und dass Jugendliche das sehr schnell durchschauen". Die Gründe dafür sind natürlich unterschiedlich, die Folgen aber durchgehend negativ.

Dem versuchen die Schulen entgegen zu wirken. Madzak glaubt, dass es das Wichtigste sei, "einen verschärften Blick" mitzugeben. "Da geht es auch um das Sichtbar-Machen", sagt er. "Welche Faktoren beeinflussen meine Entscheidung? Ist das jetzt meine persönliche Meinung oder wird sie von außen an mich heran getragen?" Die Schüler und Schülerinnen analysieren im Unterricht Wahlplakate, zerlegen sie auf Wirkung und politische Botschaft, sie sehen sich Politik-Diskussionen an und schauen sich an, "was wird gesagt, wer sagt es? Die Funktion der Moderatoren, die Sitzordnung, etc." Hier ist auch wahlkabine.at ein Teil des Unterrichts – vor allem vor Wahlen. "In der Regel ist mir bekannt, dass es so genützt wird, dass sich ein Spiegelbild ergibt, die Korrelation der eigenen Meinung im Naheverhältnis zu einer politischen Partei."

Politische Bildung an Schulen ist ein schwieriges Unterfangen – das oft breite Spektrum politischer Meinungen in den Klassen macht es den Lehrerinnen und Lehrern nicht einfach, auf die Meinungen gleichberechtigt einzugehen. Eine Streitfrage ist hier auch, wie weit politische Bildung an den Schulen gehen darf. Wobei sich alle drei Interviewten einig sind, was nicht geht – nämlich "eine beabsichtigte Beeinflussung in Richtung politischer Parteien" (Scheiber). Dass das trotzdem passieren kann, ist ebenso klar. Er fügt noch hinzu: "Wobei das wahrscheinlich unbeabsichtigt passiert. Je besser verteilt das Kollegium – also die Lehrer – in der politischen Landschaft in einer Schule sind, umso besser ist es für die politische Bildung, für die Schüler, weil sie einfach verschiedenste Weltanschauungen bei den Lehrern erleben, und sich auf die Art und Weise vermutlich besser ein Bild machen können, als wenn alles klar in eine Richtung geht."

Fingerspitzengefühl und Fairness

"Interessant ist, das wahlkabine.at von einer Nicht-Regierungs-Organisation gemacht wird. Das halte ich für eine gute Idee weil ganz sicher sonst die Beeinflussung über die Regierung parteipolitisch wesentlich größer wäre. Ich glaube, dass die Objektivität hier stärker gegeben ist", merkt Scheiber noch an. Und Objektivität ist wohl einer der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen. Auch Rollett sieht kein Problem darin, dass wahlkabine.at von einer unabhängigen Plattform gestaltet und betrieben wird: "Ich finde, das passt wunderbar. Das ist die auch Aufgabe von einer NGO. Ich fände das viel schwieriger, wenn das eine staatliche Organisation wär,e oder wenn ein Ministerium das direkt in Auftrag gegeben hätte und das Angebot dem untersteht."

Ohne eine politische Meinung funktioniert politische Bildung eben nicht – hier kommt es auf Fingerspitzengefühl und Fairness an, sagt Madzak: "Auch das müssen wir sichtbar machen, dass auch der Lehrer oder die Lehrerin eine politische Meinung hat, eine bestimmte Ideologie, ein bestimmtes Weltbild, und dass das natürlich einfließt. Auch das sichtbar zu machen und klar zu machen, ist ein wichtiger Punkt." Vor allem der Respekt vor den Meinungen der Schülerinnen und Schüler ist hier wichtig – eine Entscheidung, die nach einer gründlichen Quellenuntersuchung getroffen wurde,  muss auch akzeptiert werden. Man muss, so Rollett, "mit allen möglichen Meinungen und Haltungen der Jugendlichen arbeiten. Das ist ja jetzt nicht immer so, dass die uns gut gefallen oder sich mit persönlichen Meinungen decken, aber dass man sich damit ernsthaft auseinandersetzt, ist wichtig."

"Politische Bildung ist ja nichts, was man einmal macht und dann hat man es", betont Rollett. Es gehe darum, "Jugendliche auf dem Weg zu begleiten". wahlkabine.at bietet hier große Attraktivität, weil der spielerische Aspekt mit einer breiten Auswahl von politischen Forderungen und Meinungen kombiniert wird. Madzak meint dazu: "Jede Form, die Schülerinnen und Schüler altersadäquat anspricht, macht Sinn. Und wenn das jetzt spielerisch ist, dann weckt das Interesse, dann macht das Spaß. Und meine Erfahrung sagt mir, der Umgang mit wahlkabine.at macht auch Spaß, weckt tatsächlich  Interesse."

 

Die kursiv gesetzten Aussagen sind wörtliche Zitate aus einer Reihe von Interviews mit Direktorinnen, Direktoren, Lehrerinnen und Lehrern.